Was GS1 eigentlich ist
GS1 ist eine globale, nicht-profitorientierte Standardisierungsorganisation mit Hauptsitz in Brüssel und nationalen Vertretungen in zahlreichen Ländern. In Deutschland übernimmt GS1 Germany diese Aufgabe. Die Organisation verwaltet internationale Standards zur eindeutigen Identifikation von Produkten, Logistikeinheiten, Standorten und Geschäftsbeziehungen. Wer einen Barcode für Produkte im Handel benötigt, erhält die entsprechenden Nummernkreise über GS1. Die Standards bilden damit die Grundlage für eine weltweit eindeutige und durchgängige Produktkennzeichnung entlang der gesamten Lieferkette.
Wie ein GS1-Code aufgebaut ist
Das Grundprinzip hinter jeder GS1-Nummer ist ein weltweit eindeutiger Datensatz. Bei der GTIN-13 – also dem Code, der umgangssprachlich meist noch als „EAN“ bezeichnet wird – beginnt die Nummer mit einem Länderpräfix. Für Deutschland liegen diese Präfixe im Bereich 400 bis 440. Darauf folgen die Firmen-ID, die Artikelnummer sowie eine Prüfziffer. Insgesamt besteht die Nummer aus 13 Stellen, beispielsweise: 4012345678901
Besonders interessant wird das System bei komplexeren Codes wie dem GS1-128 oder dem GS1 DataMatrix. Hier arbeitet GS1 mit sogenannten Anwendungsidentifikatoren (Application Identifier, kurz AI). Dabei handelt es sich um kleine Zahlencodes in Klammern, die definieren, welche Information anschließend folgt.
Zu den wichtigsten AI-Codes gehören:
- (01) GTIN
- (10) Chargennummer
- (17) Mindesthaltbarkeitsdatum
- (11) Herstelldatum
- (21) Seriennummer
- (3103) Nettogewicht
Ein typischer Aufdruck auf einem Lebensmittelprodukt könnte beispielsweise so aussehen: (01)04012345678901(10)L24050A(17)260530
Der Code enthält die GTIN, die Chargennummer L24050A sowie das Mindesthaltbarkeitsdatum 30.05.2026.
Wie GS1-Codes aussehen
Der EAN-13 ist der klassische schmale Strichcode, der sich unter nahezu jedem Supermarktprodukt befindet. Der GS1-128 ist deutlich länger und wird überwiegend auf Versandkartons, Umverpackungen und Paletten eingesetzt. Der GS1 DataMatrix hingegen ist ein quadratischer 2D-Code. Optisch erinnert er an einen QR-Code, ist jedoch kompakter aufgebaut und besitzt nicht die typischen drei großen Eckquadrate.
Parallel dazu tauchen in der Praxis zunehmend klassische QR-Codes auf, hinter denen sich ein sogenannter GS1 Digital Link verbirgt. Dadurch lassen sich digitale Produktinformationen direkt mit dem Smartphone abrufen.
Warum das Thema in der Lebensmittelindustrie gerade so relevant ist
Der wichtigste Treiber ist die Rückverfolgbarkeit. Die EU-Verordnung 178/2002 schreibt vor, dass jeder Schritt innerhalb der Lebensmittelkette nach dem Prinzip „one step up, one step down“ nachvollziehbar sein muss. Muss eine Charge zurückgerufen werden, zählt oft jede Stunde. Das funktioniert nur, wenn Chargennummer und Mindesthaltbarkeitsdatum eindeutig codiert sind – idealerweise direkt aufgedruckt und nicht lediglich als Etikett aufgeklebt. Der zweite und deutlich größere Treiber ist Sunrise 2027. Gemeinsam mit internationalen Handelsunternehmen wie Edeka, REWE, Carrefour, Walmart und Lidl koordiniert GS1 weltweit den Übergang vom klassischen 1D-Strichcode hin zu modernen 2D-Codes. Ab Ende 2027 sollen Kassensysteme weltweit GS1 DataMatrix- beziehungsweise QR-Codes mit GS1 Digital Link lesen können.
Das bedeutet einen grundlegenden Wandel für die Branche. In einem 2D-Code lassen sich nicht nur Artikelnummer und Charge speichern, sondern zusätzlich Informationen wie Allergene, Herkunft, Nährwerte, Recyclinghinweise oder Links zu digitalen Produktseiten. Verbraucher können die Codes direkt mit dem Smartphone scannen und erhalten Informationen, die auf klassischen Etiketten oft keinen Platz mehr finden. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Handel und Hersteller. Kassensysteme können Produkte mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum automatisch rabattieren und dadurch Food Waste reduzieren. Rückrufaktionen lassen sich schneller und präziser umsetzen, während Hersteller Inhaltsänderungen digital aktualisieren können, ohne jedes Mal neue Verpackungen oder Etiketten drucken zu müssen. Zusätzlichen Druck erzeugen angrenzende Branchen wie die Pharmaindustrie, in der serialisierte Codes seit 2019 verpflichtend sind, sowie die Tabakindustrie mit den Vorgaben der TPD2-Richtlinie. Die Lebensmittelindustrie folgt diesem Trend nun schrittweise – insbesondere bei sensiblen Produktgruppen wie Fleisch, Fisch und Säuglingsnahrung.
Die passende Lösung für den Übergang zu 2D-Codes
Viele Hersteller möchten aktuell zwei Herausforderungen gleichzeitig lösen: den Wechsel vom Etikett zum Direktdruck, um Kosten zu sparen und den Materialeinsatz zu reduzieren, sowie die Vorbereitung auf den bevorstehenden 2D-Code-Standard. Die edding compact printer Systeme decken beide Anforderungen ab. Die Systeme drucken sowohl GS1-128- als auch GS1-DataMatrix-Codes nativ und mit einer Auflösung von bis zu 600 dpi. Dadurch entstehen Codes in einer Qualität, die auch von anspruchsvollen Lesegeräten zuverlässig erkannt wird. Dadurch lassen sich heute bereits die Anforderungen an moderne Rückverfolgbarkeit und zukünftige 2DCode-Standards sicher umsetzen. So erstellen Sie einen GS1-Code mit dem edding compact printer System: GS1 Beispiel
Unterschiede zwischen 1D- und 2D-Codes
1D-Codes sind die klassischen Strichcodes mit senkrechten Balken unterschiedlicher Breite. Sie speichern Informationen nur in einer Dimension – horizontal – und codieren meist lediglich eine Nummer, beispielsweise die GTIN. Alle weiteren Informationen werden anschließend über eine Datenbank oder ein Kassensystem abgerufen. Typische Beispiele sind EAN-13, GS1-128 oder Code 128.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
- Kapazität: 1D-Codes speichern etwa 20 Zeichen, 2D-Codes mehrere tausend.
- Lesegeräte: 1D-Codes werden von Laserscannern gelesen, 2D-Codes von Kamerascannern oder Smartphones.
- Robustheit: 2D-Codes besitzen eine Fehlerkorrektur und bleiben selbst bei Beschädigungen oft lesbar. 1D-Codes sind deutlich empfindlicher.
Bei den 2D-Codes wird grundsätzlich zwischen QR-Codes und DataMatrix-Codes unterschieden.
QR-Codes: QR-Codes sind computergenerierte zweidimensionale Bilder, die heute vor allem von Marken für die Kommunikation mit Verbrauchern genutzt werden – beispielsweise für Gewinnspiele oder Werbeaktionen. Der Verbraucher scannt den QR-Code einfach mit dem Smartphone. Die entsprechende App entschlüsselt den Code und führt eine Aktion aus, etwa die Weiterleitung auf eine Webseite.
DataMatrix-Codes: DataMatrix-Codes sind kompakte zweidimensionale Barcodes, die aus kleinen quadratischen Modulen bestehen. Sie werden von 2D-Imaging-Scannern oder kamerabasierten Bildverarbeitungssystemen gelesen. Aufgrund ihrer hohen Datendichte eignen sie sich besonders für kleine Produkte und Verpackungen, beispielsweise im Lebensmittel- oder Pharmabereich.